In Bad Tölz gab es schon vor dem ersten Weltkrieg mehrere Blaskapellen. Überliefert ist der Bestand einer Bürgerwehrkapelle und eines „Musikverein Tölz“.

Eine der frühesten Aufzeichnungen findet sich bei den “Winklern” in Kreuth:

Das Fest:
Fahnenweihe am 28. Mai 1893

Früh 4 Uhr verkündeten Böllersalven den Tagesanbruch. Die Witterung schien sehr zweifelhaft. 6 Uhr 30 sammelten sich schon die ersten Mitglieder im Vereinslokal. Um 8 Uhr kam die bestellte Musikkapelle Diemer aus  Tölz. 8 Uhr 15 kamen der  Patenverein, der Burschen Krank. Unterst. Verein und der Veteranen Krieg. Verein mit Musik. Hernach der Arb. Kr. Unterst. Verein Tegernsee. Währenddessen kamen  auch die Fest-Jungfrauen angefahren....


Nach dem ersten Weltkrieg fanden sich ca. 10-13 Musikanten zu einer typisch neunstimmigen Blasmusik zusammen, die der Kapellmeister Anton Diemer aus Wildbad Kreuth leitete.
Diese Kapelle spielte ohne Namen zu kleineren Veranstaltungen und Jahrtagen auf. Konzertauftritte aus dieser Zeit sind nicht bekannt.

Die “Diemermusi” in Faschingsuniform.

Im Winter 1923 übernahm der ehemalige Militärmusiker Hubert Kaltenmarktner im Vereinslokal Schaftlerbräu die Leitung der Kapelle. Er war ein leutseliger Vollblutmusikant, der viele Instrumente beherrschte und somit auch die Jugend für die Blasmusik begeistern konnte. Mit viel Einsatz und Zeitaufwand wuchs die Kapelle in kürzester Zeit zu einer Konzertmusik heran, die nicht nur aus Musikern der Stadt Bad Tölz bestand. Es kamen auch Spielleute aus den umliegenden Gemeinden Gaißach, Lenggries, Wackersberg, Reichersbeuern und Arzbach nach Tölz, um unter einem Dirigenten zu musizieren.
Nach dem Dirigenten- und Vereinslokalwechsel - vom Schaftlerbräu in den Grünerbräu - blieben von der vormaligen “Diemer Musi” nur fünf Mann der neuen Formation unter Kaltenmarktner treu. Mit großem Probeaufwand - bis zu dreimal wöchentlich - bewährte sich die Kapelle und wurde am 27. Juli 1924 feierlich vom 1. Bürgermeister Stollreither und dem Stadtrat zur Stadtkapelle ernannt.

“Durch Beschluß des Stadtrats vom 25. Juli 1924 wurde der unter der bewährten Leitung des Kapellmeisters Hubert Kaltenmarktner zusammen- getretenen Musikkapelle zur Anerkennung Ihrer bisherigen Leistungen und zur Aufmunterung für weitere ersprießliche Musikpflege in unserer Stadt die offizielle Bezeichnung “Tölzer Stadtkapelle” verliehen.

Dies beurkunden durch eigenhändige Unterschrift:

Tölz den 27. Juli 1924, 1. Bürgermeister Stollreither, 2. Bürgermeister Moralt.

Die handgemalene Prunkurkunde  von Ferdinand Schiedermaier

Schon zu diesem Stiftungsfest erschien die Kapelle in der heute noch üblichen historischen Tracht, denn das Gründungsmitglied Sedlmayer drang darauf, dass eine einheitliche aber auch schon damals historisch nachgewiesene Tracht angeschafft werde. In dieser Sache wurde bei allen in der Umgebung bestehenden Schützenkompanien nachgeforscht, welche Uniform geeignet wäre (die Tölzer Schützenkompanie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wiedergegründet). So stieß man dann auf einen langen, braunen Rock und einem dazu passenden schwarzen Stopselhut, die beide laut dem Trachten-Informations-Zentrum in Benediktbeuern aus dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts stammen und der “Biedermeierlichen Mode” angehören. Nach diesen Modellen fertigten der Tölzer Schneidermeister Huber sen. und der Tölzer Hutmachermeister Schöttl die Uniformen an. In einem damaligen Zeitungsbericht über die Tracht der neuen Tölzer Stadtkapelle hieß es:
“Der lange, gut geschnittene Rock, dessen Ärmel das Tölzer Stadtwappen ziert, die reiche Weste, der hohe, spitze Hut ( Stopselhut ), die kurze Lederhose und die festen Wollstrümpfe stimmen gut zusammen.”

Das einzige noch lebende Gründungsmitglied ist Herr Jakob Probst, der mit seinen 95 Jahren
regelmäßig die Konzerte der Stadtkapelle besucht.

Der Probenaufwand lohnte sich, die junge Kapelle wurde bald zu einer gefragten Einrichtung.

Hier einige Beispiele:

Am 5. Mai. 1925 ist die Tölzer Stadtkapelle Festmusik  zur Eröffnung des Deutschen Museums in München.
Vom 18 – 22 Juli 1928 beteiligt sie sich mit ca. 35 Mann am 10. deutschen Sängerfest in Wien.
Im Juli 1932 Konzertreise nach Traunstein, Berchtesgaden und Bad Reichenhall.
Im Sommer 1932 wirken die Musiker bei den Aufnahmen des Kinofilms „Schützenkönig“ in München mit, und fahren anschließend mit 25 Mann zur Welturaufführung in Augsburg und den Filmpremieren in Berlin und Dresden.
1937 unternimmt die komplette Kapelle einen Ausflug nach Helgoland.

Aus der Zeit während und nach dem zweiten Weltkrieg ist leider nicht viel in Erfahrung zu bringen. Als die Stadtkapelle zur Gaukapelle umfunktioniert werden sollte, traten viele Mitglieder aus dem Verein aus.

1946 fanden sich ehemalige und neue Musiker zusammen und begannen unter der Leitung von Anton Zeller wieder mit der Probenarbeit. Ihre Hauptaufgabe ist seither die Mitgestaltung der kirchlichen und weltlichen Feste der Stadt Bad Tölz und ihrer Vereine. Die monatlichen Konzerte im Tölzer Kurhaus sind zu einer festen Einrichtung geworden. Hierbei überwiegt die konzertante Blasmusik, wie sie auf der ersten CD “Auf nach Tölz“ zu hören ist. Die Marschmusik kommt hierbei sicherlich nicht zu kurz, was die zweite CD “Tölzer Schützenmarsch” beweißt.

Die Dirigenten der Tölzer Stadtkapelle:

1924 - 1933  Hubert Kaltenmarktner
1933 - 1937  Andreas Fiechtner
1937 - 1940  Dr. Müller Prem

1946 - 1953  Anton Zeller
1953 - 1954  Georg Haberschaden
1954 - 1955  Hubert Kaltenmarktner
1955 - 1968  Johann Holler
1968 - 1970  Otto Fremdt

1970 - 1988 Herbert Nieswandt

Der 1915 in Berlin geborene Herbert Nieswandt trat 1935 als Klarinettist in ein Luftwaffenmusikkorps ein. Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete er als Unterhaltungsmusiker und freier Mitarbeiter des Rundfunks in Bayern und bei AFN. 1956 nahm er in München die Militärmusikertätigkeit als Chorführer im Lufwaffenmusikkorps Neubiberg wieder auf.
1969 ging er in Ruhestand und dirigierte außer der Tölzer Stadtkapelle auch die Blaskapellen Tegernsee und Lenggries. Die Leitung der Tölzer Stadtkapelle mußte er nach 18 Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Am 9. April 1989 wurde er im Rahmen eines Konzertes offiziell verabschiedet und  zum Ehrendirigenten der Kapelle ernannt.

Auch als Komponist ist Herbert Nieswandt bekannt. Er komponierte über 100 Werke für Blasmusik.
Den Marsch “Auf nach Tölz” hat er der Tölzer Stadtkapelle gewidmet. Ihm zu Ehren ist das auch der Titel der ersten CD.

1988 - heute Josef Kronwitter

Josef Kronwitter, geboren am 18.01.1964 in Sachsenkam erhielt seinen ersten Musikunterricht mit 5 Jahren an der Sing- und Musikschule Bad Tölz.
Mit neun Jahren wurde er im Tölzer Knabenchor aufgenommen und sang als erster Solist unter Dirigenten wie Herbert v. Karajan, Karl Böhm, Wolfgang Sawallisch, Sergiu Celibidache und vielen anderen.
Er hatte Soloauftritte bei den Salzburger-, Bayreuther- und Münchner Festspielen sowie an vielen Opernhäusern in ganz Europa.

Das war der Grundstein für das folgende Musikstudium mit Hauptfach Trompete bei Rolf Quinque am Richard-Strauss- Konservatorium in München.
Anschliessend studierte er bei Professor Lachenmeir im Fach Trompete  und bei Professor Grumbach im Fach Gesang an der Hochschule für Musik, ebenfalls in München.

Neben seiner Tätigkeit als Musiklehrer an den Musikschulen Bad Tölz und Ottobrunn ist Josef Kronwitter seit fast 20 Jahren Dirigent der Tölzer Stadtkapelle. Mit großem Erfolg und Engagement widmet er sich der Jugendausbildung. Sein Verdienst ist es, dass die Kapelle inzwischen zu einem klangvollen Blasorchester mit fast 50 Musikanten angewachsen ist.
Er leitet auch die
Tölzer Big Band, die sich aus Musikern der Stadtkapelle entwickelte.
Besonderen Stolz verdient die Tölzer Jugendkapelle die von Sepp Kronwitter gegründet wurde.
Zurzeit zählt sie 35 Mitglieder.

Die Vorstände der Tölzer Stadtkapelle:

1924 - 1936  Max Schöttl

1946 - 1958  Paul Hamberger
1958 - 1959  Hans Erhard
1959 - 1965  Paul Hamberger
1965 - 1967  Horst Siegert
1967 - 1968  kein Vorstand
1968 - 1974  Anton Singer
1974 - 1989  Bernhard Kreis
1989 - 1995  Josef Kronwitter
1995 - 2000  Josef Niedermaier
2000 - heute Florian Langeder

Die Ehrenmitglieder der Tölzer Stadtkapelle:

Hubert Kaltenmarkter, Ehrendirigent, 04.01.1933
Max Schöttl, Ehrenvorstand, 19.11.1949
Gregor Schöttl, Ehrenmitglied, 13.09.1964
Dr. Willi Richartz, Ehrenmitglied, 13.09.1964
Paul Hamberger, Ehrenvorstand, 09.04.1989
Herbert Nieswandt, Ehrendirigent, 09.04.1989
Anton Singer, Ehrenmitglied, 08.05.1994
Hans Erhard, Ehrenmitglied, posthum, 25.12.2002

Die Tölzer Stadtkapelle heute

Die Tölzer Stadtkapelle wuchs, dank der hervorragende Jugendarbeit des Kapellmeisters Josef Kronwitter, zu einem 50 Mitglieder zählendem Klangkörper heran. Mit einem Altersdurchschnitt von 27 Jahren gehört sie zu einer der “jüngsten” Musikkapellen in der Umgebung.
Dennoch gibt es aktive Mitglieder, die seit mehr als 40 Jahren der Kapelle angehören.
Die Herkunft der Musiker ist bunt gemischt. Außer gebürtigen Isarwinklern spielen auch einige Musiker die nicht aus Bayern kommen bei der Tölzer Stadtkapelle. Dadurch entstanden neue Verbindungen zu Musikkapellen außerhalb Bayerns.

Die Hauptaufgabe der Stadtkapelle ist auch heute noch die musikalische Umrahmung von weltlichen und kirchlichen Festen der Heimatstadt. Um die 70 Auftritte im Jahr sind die Regel, zusätzlich jedes Monat ein Konzert im Tölzer Kurhaus.
Dort wird den Zuhörern konzertante Blasmusik, wie sie auf der 1997 produzierten CD “Auf nach Tölz” zu hören ist und Marschmusik wie auf “Tölzer Schützenmarsch” zu hören, geboten. Die musikalischen Höhepunkte sind jedes Jahr das Muttertagskonzert und das Weihnachtskonzert.

Ein riesen Erfolg war der gemeinsame Auftritt mit der Kultband “Bananafishbones” am 19. März. 1999.
Auf Einladung von Schlagzeuger Florian Rein, der selbst zehn Jahre Mitglied der Tölzer Stadtkapelle war, spielte man zur Tourneeröffnung der Fishbones als Vorgruppe im Münchner Kunstpark Ost.
Für den Erfolgssong “Dinosaurs” wurden extrig Noten umgeschrieben, um gemeinsam spielen zu können. Die 3000 Zuhörer waren begeistert. Dies war guter Grund, den “Gag” zu wiederholen. Zum Open Air in der Tölzer Markstrasse waren 10000 überwiegend

jugendliche Besucher gekommen. Die meisten waren sichtlich erstaunt über diese abenteuerliche, musikalische Mischung, konnten aber spätestens bei der gemeinsamen Zugabe vom Gegenteil überzeugt werden.

Das 75-jährige Jubiläum wurde ganz nach oberbayrischem Brauch gefeiert. So zogen sich die Festivitäten über das ganze Jahr und erfreuten ein breites Publikum mit Jubiläumskonzert, Kirchenkonzert, Tag der Blasmusik mit den Isarwinkler Musikkapellen und zum Abschluss dem traditionellen Weihnachtskonzert.

1. Vorstand Sepp Niedermaier wird 2000 Interrimsbürgermeister für den verstorbenen Bgm Albert Schäffenacker und vererbt seinen Stadtkapellenvorsitz an Florian Langeder. Inzwischen ist Sepp Niedermaier offiziell gewählter Bürgermeister der Stadt Bad Tölz. => seit 3. Mai 2008 Landrat des Landkreises Bad Tölz - Wolfratshausen

Im Jahr 2001 wurde die zweite CD “Tölzer Schützenmarsch” mit viel Spaß und Freude der Musiker in den Bavaria Musikstudios in München Produziert. Besonderer Dank gilt hierbei unserem Tonmeister und Aufnahmeleiter Bernhard Hanke.

Im Januar 2003 organisierte die Fachzeitschrift “Bayrische Blasmusik” die clarino.nacht_der_bläser in Buchloe. Neben namhaften Interpreten wie Klaus Kreuzeder, die in verschiedenen Konzertsälen aufspielten, wurden wir gemeinsam mit den Bananafishbones engagiert. Speziell für diesen Auftritt arrangierte der in Blasmusikkreisen bekannte Komponist Franz Gerstbrein sechs Stücke der Banananfishbones für Rock- und Blasmusik. Das Publikum war begeistert und durch den Livemitschnitt entstand unsere dritte CD. Beim alljährlich stattfindenden Hillside-Festival der BFB durften wir mit dieser Einlage die Überraschungsgäste zum Abschluss des Großspektakels sein.

Ebenfalls 2003 umrahmte man zum vierten mal das Schützenfest in Beverungen in Nordrhein- Westfalen.

Im Januar 2005 wurde der letzte Wunsch des schrillen Münchner Modeschöpfers Rudolph “Mosi” Moshammer erfüllt, indem die Tölzer Stadtkapelle dessen Beerdigung musikalisch umrahmte. Moshammer wurde Opfer eines grausamen Mordes. Zur Beerdigung waren über 15000 Trauergäste anwesend.

Beim 1. Europäischen Polizeimusikfestival in der Hacker Pschorr Arena in Bad Tölz durfte neben den
5 Profiorchestern auch die Tölzer Stadtkapelle mitwirken.

Im August 2006 gestalteten die Banafishbones ein Großopenair in der Tölzer Markstraße. Beim Finale vor rund 10.000 Zuhörern und schönstem Wetter beteiligten wir uns mit neuen Stücken von Franz Gerstbrein, komponiert und arrangiert für Bananafishbones und Tölzer Stadtkapelle zur Freude unseres Publikums.

Ein geschichtsträchtiger Tag: 27. April 2007, Festzug zum Festabend der Tölzer Feuerschützen, die in der Wandelhalle Ihr 500-jähriges Bestehen feiern. Zum ersten Mal seit bestehen der Stadtkapelle beinhaltet die angetretene Marschformation zwei Saxophone (!), was unter den restlichen Musikern zu regen Diskussionen führt. Natürlich ausschließlich positiv, wir müssen uns halt nur daran gewöhnen...

Im Herbst 2007 nimmt der Bund der bayrischen Gebirgsschützen sene dritte CD mit traditionellen, bayrischen Märschen auf. Wir dürfen uns mit drei Stücken beteiligen und haben unsere vierte CD.

 

*** Bayrischer Meister 2008 ***

 

Den wahrscheinlich größten Erfolg unserer Geschichte durften wir im April 2008 feiern. Aus der erstmals ausgelobten bayrischen Meisterschaft der Blasmusik in der Oberstufe in Memmingen durfte die Tölzer Stadtkapelle den Siegespokal mit nach Hause nehmen.

Die Geschichte beginnt allerdings ein Jahr früher im benachbarten Murnau. Dort fand ein musikalisches Wertungsspiel statt, zu dem wir uns angemeldet haben. In der sogenannten offenen Wertung werden 10 unterschiedliche musikalische Kriterien ähnlich dem Skispringen oder dem Eiskunstlauf von mehreren Juroren mittels aufzuzeigender Punktetafeln bewertet. Von den 100 möglichen erhielten wir 91 Punkte und somit eine Auszeichnung.

Ende des letzten Jahres beschloss der bayrische Musikbund, aus den mit Auszeichnung belobigten Kapellen pro Bezirk je eine auszuwählen und diese in einem weiterführenden Wettkampf gegeneinander antreten zu lassen. Genau 6 Wochen vorher erhielten die 9 Auserwählten ein unbekanntes Stück zugesandt um dieses, sowie ein weiteres selbst gewähltes, einzustudieren. Am 17. Februar durften wir mit den beiden Stücken im Gepäck nach Unterschleißheim fahren und dort am Entscheid von Ober- und Niederbayern teilnehmen. Die Freude war denkbar groß, als unser Sepp zum Empfang des 2. Platzes auf die Bühne gerufen wurde. Die ersten drei Sieger hatten sich ein Ticket zum Bayernentscheid nach Memmingen geholt.

Ein kleiner Begeisterungseinbruch fand dann zu Hause statt, als wir feststellten, genau an diesem Wochenende unsere neue CD Aufnahme geplant zu haben. Die Entscheidung war jedoch schnell getroffen und kurzerhand haben wir Tonstudio, Aufnahmeleiter und alles sonst Zugehörige abgesagt, um in Memmingen dabei zu sein. Wir hoffen hierbei natürlich auf Ihr Verständnis. Wenn ned wieder was dazwischenkommt, gibt´s die neue CD nächstes Jahr im Frühjahr.

Zurück zur Historie: Die Prozedur blieb die Gleiche. 6 Wochen vorher erhielten alle Teilnehmer wie schon fast gewohnt, ein unbekanntes Stück zum intensiven Studium. Ebenso musste, wie für Schleißheim, ein selbst gewähltes Stück vorbereitet werden.

Die Busfahrt dorthin verlief ungewohnt ruhig und mit außergewöhnlich wenig Alkohol. Das warm up ließ positiv vermuten, vielleicht etwas mehr als den 9 Platz einzufahren. Unser Auftritt verlief zur großen Freude sehr gut, jedoch hatten wir die fünf Kapellen des Vormittags nicht gehört und wussten, es handelt sich hierbei sicher nicht um Anfänger. Die Anspannung war gefallen und die nächsten Stunden waren recht lustig und locker, hatten wir doch schon alles hinter uns. Zur Siegerehrung im voll besetzten Saal war dann nochmals Spannung angesagt und man kann förmlich behaupten, dass die Stadthalle in Memmingen gebrodelt hat. Chorgesänge der einzelnen Kapellen, Laolawellen und Kampfgebrüll führten zur richtigen Stimmung für die erwartete Verkündigung.

Die letzten vier wurden alphabetisch verlesen – wir waren nicht dabei. Platz 5, Platz 4, nicht wir, die Nerven angespannt, die Erwartung groß, Platz drei, Stadtkapelle Schongau, die uns noch in Unterschleißheim geschlagen hatte. Platz 1 und 2 noch offen, der Moderator schweift nochmals aus und dann die erlösenden Worte: Platz 2 geht an die Stadtkapelle Illertissen. Und eine Tölzer Stadtkapelle, die kurzzeitig beim Freudensprung keinen Boden unter den Füßen hat. Feuchte Augen und eine unbeschreibliche Erlösung. Wir haben gewonnen!

Wir haben die Augenblicke genossen, als unser Sepp den Pokal auf der Bühne in Empfang genommen hat. Wir haben gefeiert bis in den nächsten Morgen und wir haben noch heute eine Gänsehaut, wenn wir an diese schönen Augenblicke denken!

Einige Wochen später ehrte uns “unsere” Stadt Bad Tölz mit dem Eintrag ins goldene Buch. Somit sind wir jetzt unsterblich... :-)

Im März 2009 ist wieder mal Tonstudiozeit und wir holen endlich unsere verschobene Aufnahme nach. Es hat wie immer sehr großen Spaß gemacht und in den zwei stressigen Wochenenden haben wir unsere fünfte CD auf Festplatte gebracht. Einen großen Dank an unseren Tonmeister und Aufnahmeleiter vom Dienst Bernd Hanke, der uns wie immer bestens zum Ziel geführt hat. Gut vier Wochen später konnten wir zum Jahreskonzert, unserem Muttertagskonzert, die neue CD mit großem Erfolg vorstellen.

 

*** Bayrischer Meister 2010 ***

Wir können es noch gar nicht glauben: Wir haben am 17. April 2010 beim 2. Oberstufen- wettbewerb des Bayerischen Blasmusikverbandes unseren Titel verteidigt!!

Somit hat auch der Sepp seine Verpflichtungen einlösen und sich zum Muttertagskonzert “Dreadlocks” machen lassen müssen.

Tja, was soll man an dieser Stelle schreiben? Vielleicht die einen Auszug aus der Moderation des Muttertagskonzertes:

“Vor dem nächsten Stück dürfen wir vielleicht doch im Namen der Stadtkapelle noch ein paar Worte zu unserem Großereignis verlieren.

Wir haben unser Frühjahrsmärchen wahr gemacht und könnens noch gar nicht glauben. Mit einer Titelverteidigung haben wir nicht wirklich gerechnet, als wir am Abend vor dem 17. April innerhalb weniger Stunden alle 57 Teilnehmer informieren mussten, aufgrund der Vulkanasche und der prognostizierten Verkehrsstörungen aufgrund des Flugverbots vorsichtshalber früher in Tölz abzufahren. Die Vorrundenwettkämpfe gingen auch an uns vorüber, da wir als Titelverteidiger gesetzt waren. Und doch trafen wir bei bester Laune in Volkach ein. Die Verfahrensweise war uns aus den letzten Wettbewerben schon bekannt. Sechs Wochen zuvor hat jede Kapelle ein unbekanntes Stück zum intensiven Studium erhalten. Parallel musste ein Selbstwahlstück der entsprechenden Kategorie vorbereitet werden. Mit in Volkach waren die drei Erstplazierten der jeweiligen Bezirksentscheide des Musikbund von Ober- und Niederbayern und dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund, sowie die zwei Sieger aus dem Nordbayerischen Musikbund. Der Vortrag unserer beiden Stücke verlief unter ziemlich angespannten Nerven, in gewöhnungsbedürftiger Turnhallenakustik. Nach unserem Ermessen nicht schlecht, aber was heißt das schon. Da wir den zweitlängsten Anfahrtsweg hatten, war unser Auftritt der Vorletzte. Somit konnten wir also nur die noch nachfolgenden Schongauer hören. Und die waren hervorragend. Bis zur Preisverteilung vergingen gefühlte Stunden. Als es endlich so weit war, hat sich der Bayerische Blasmusikverband noch eine kleine Gemeinheit einfallen lassen. Die letzten 4 platzierten wurden nicht verlesen. Es ging also von hinten bei Nummer 5 los. Als die Stadtkapelle Schongau zum Vizemeister ausgerufen wurde, war die Anspannung in der Stadtkapelle wohl auf dem Höchststand. Sind wir zwischen 5 und 9, oder haben wir es tatsächlich geschafft? Und dann endlich die erlösenden Worte: Der neue Sieger und somit bayerischer Meister bleibt der alte, die Tölzer haben ihren Titel verteidigt! Und eine Stadtkapelle, die an Jubel und Freude nicht mehr zu überbieten war.

Gerne möchte ich die Wertschätzung unserer Gegner ganz deutlich aussprechen. In Volkach waren die besten Musikkapellen Bayerns vertreten. Und bei so einem hochkarätigen Landesentscheid bestimmen Kleinigkeiten den Weg aufs Treppchen. Wir konnten mit unserem Vortrag die Jury an diesem Tag für uns gewinnen und das freut uns natürlich ganz arg!”

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